Der Sprengel-Neubau – ein grauer Kasten für die Kunst

Schon lange hatte ich vorgehabt, das neue„Schmuckstück“ Hannovers, den im Herbst vergangenen Jahres fertiggestellten Erweiterungsbau des Sprengel Museums zu besuchen. Zur „Nacht der Museen“ ergab sich dann endlich einmal die passende Gelegenheit. Hier meine Eindrücke:

Von außen

Der Neubau schließt auf der rechten Seite an den Altbau an und erstreckt sich entlang des Rudolf-von-Bennigsen-Ufers. Die Fassade ist in einem Warm-Grau gestrichen und wurde mit klaren wenigen Details versehen. Auf den ersten Blick wirkt der große graue Kasten ein bisschen sehr fensterlos; doch der Sinn des Konzepts erschließt sich, wenn man das Museum erstmal betreten hat.

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Über Geschmack lässt sich streiten

Ob der Anbau nun schön ist oder nicht – das lasse ich mal dahingestellt. Für mich ist es ein modernes schlichtes Bauwerk, das sehr gut zu den älteren Bauabschnitten des Sprengel Museums passt. Sicherlich gibt es imposantere Museumsbauten (siehe Guggenheim Museen); doch da es sich lediglich um einen Anbau handelt, müssen sich beide Teile ergänzen können – und das ist definitiv gelungen. Das Äußere spielt sicherlich eine große Rolle, viel wichtiger aber:

Wie sieht es im Innern des Museums aus?

Der Haupteingang befindet sich nach wie vor im Altbau des Museums. Ein großer Raum mit einer modernen weißen Treppe verbindet beide Gebäudeteile. Bodentiefe Fenster durchfluten den Raum mit Licht, der durch seine Größe ebenfalls Platz für Veranstaltungen bietet und viel mehr als ein Durchgangsbereich ist. Doch nun zu den neuen Ausstellungsräumen. Die fensterlose Fassade, über die im Vorfeld viel Kritik geäußert worden ist, ist von innen gesehen ein großer Vorteil. Viele Bilder haben zum Schutz eine Glasscheibe und wenn diese direkt gegenüber von einem Fenster auf gehangen werden, bleibt selbst bei entspiegeltem Glas vom Werk selbst nicht mehr viel zu sehen. Der Verzicht auf Fenster ist also in diesem Falle sinnvoll. Im Sprengel Museum wurde das Problem „Kein Licht von draußen“ durch große Deckenlampen gelöst. Für mich ist dies ein ganz dicker Pluspunkt, da ich doch des Öfteren schon auf schlecht ausgeleuchtete Bilder gestoßen bin.

Weiterhin sind die neuen Räume sehr schlicht gehalten und unterscheiden sich bis auf Schnitt und Größe kaum voneinander. Akzente werden lediglich durch unterschiedliche Wandfarben geschaffen. Durch die schlichte moderne Gestaltung wird der Fokus ganz auf die Bilder gelegt und das ist definitiv der wichtigste Aspekt für ein Museum. Alles in allem  ist das Innere sehr gut gelungen und mehr Raum für Kunst lässt mein Herz eh immer höher schlagen.

Übrigens: Die Sonderausstellung 130% Sprengel. Sammlung Pur läuft noch bis zum 29. Januar 2017. Vielleicht habt ihr ja Lust auf einen Besuch.

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Mein Fazit:

Sorry, Sprengel Museum – du und ich werden wohl nie richtige Freunde:  Dafür habe ich bereits zu viele andere Lieblings-Museen (Albertina in Wien, Bucerius Kunst Forum in Hamburg, The Huge Lane in Dublin, Guggenheim in Bilbao …). Dennoch bin ich dankbar, dass es das Sprengel Museum in Hannover gibt, denn es beherbergt wahrlich einige Meisterwerke (Picasso, Richter, Bacon …) und es ist schön zu wissen, dass diese sich direkt vor der Haustür befinden und ich nicht erst auf Reisen gehen muss, um die Kunstschätze dieser Welt betrachten zu können.

Anja Brüggemann

Seit August 2013 gehöre ich zum AhlersHeinel-Team. Nicht nur auf beruflicher Ebene interessiere ich mich für Gestaltung und Design – auch privat bin ich der Kunst und Kreativität verfallen. Ich male sehr gern mit Ölfarben, außerdem tanze ich Ballett.

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