Dieter Jüdt – ausdrucksstarke Bildwelten

Beim Herumstromern im Internet landete ich kürzlich auf dem Illustratorenblog Poste Aeriénne – und wurde dabei auf den großartigen Dieter Jüdt aufmerksam. Eigentlich eine Art Wiederentdeckung, denn Jüdts Graphic Novel „Viriconium“ steht schon seit einigen Jahren in meinem Bücherregal, und zwischenzeitlich sind mir Illustrationen von seiner Hand immer wieder in diversen Zeitschriften aufgefallen. Doch seit der Veröffentlichung der wunderbaren Comic-Erzählung Viriconium im Jahr 2000 (die Vorlage war ein phantastischenr Romans von M. John Harrison) hat sich Dieter Jüdts Zeichenstil weiterentwickelt – ich würde sagen: geschärft.

Der Zeichner Dieter Jüdt, gesehen von Marcus Mientus

Der Zeichner Dieter Jüdt, gesehen von Marcus Mientus

Dieter Jüdts Spezialität sind erzählerische/journalistische Arbeiten, wie sie in pointierten Illustrationen vor allem im Editorial-Bereich eingesetzt werden oder eben in längerer Form als Comic oder Bildgeschichte. Seine Arbeiten finden sich in zahlreichen Zeitungen und Magazinen, von der taz über FAZ bis zur Süddeutschen. Jüdt ist nicht nur Autor und Herausgeber, sondern lehrt auch Zeichnen an diversen Hochschulen in Deutschland aber auch in China, wo er nach Berlin seinen Zweitwohnsitz hat.

Was ich an Jüdts Stil so mag, ist die Art, wie er seine wunderbaren zeichnerischen Fähigkeiten durch die Kombination bestimmter bildnerischer Mittel zu bemerkenswerten Illustrationen umsetzt und Sachverhalte und Zusammenhänge deutlich macht. Mich als Grafik-Designer spricht besonders sein Einsatz typografischer Elemente an: Er verquickt Buchstaben oder Zeichen, Textelemente, geometrische Formen, Raster usw. collageartig zu einem vielschichtigen Ganzen und verbindet oft ehrere Erzählebenen in einem Bild. Das ist hochdynamisch, sehr direkt, aber nie verwirrend, denn Dieter Jüdt achtet darauf, seine Arbeiten nicht zu überfrachten. Durch gekonnte Bildkomposition sowie die Reduktion auf Linie und Fläche und den sparsamen Einsatz von Farbe hält er seine expressiven Werke im Zaum und macht sie unverwechselbar. Mir macht diese Illustrationsart jedenfalls richtig Spaß.

 

 

Marcus Mientus

Bei AhlersHeinel bin ich seit 2000; für Typografie und die kleinen typografischen Feinheiten begeistere ich mich aber schon viel länger. Illustration ist ein weiterer Interessenschwerpunkt, mit dem ich mich aktiv hauptsächlich in meiner Freizeit beschäftige. Im Moment befasse ich mich nach der Arbeit allerdings mehr mit meinen zwei kleinen Jungs und den typografischen Finessen von Kinderbüchern.

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